KALA for KIDS – Vivaldi Jahreszeiten
Was für ein Vormittag! Mit unserem neuen Format KALA for KIDS haben wir etwas gewagt – und es hat funktioniert, besser als wir es uns hätten vorstellen können.
Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Traunstein / Kammer kamen nicht einfach in ein Konzert. Sie kamen vorbereitet, neugierig und offen – dank großartiger Lehrerinnen und Lehrer und einem Direktor, dem es wirklich am Herzen liegt, dass Kinder klassische Musik erleben dürfen. Im Vorfeld hatten die Kinder Bilder zu jeder Jahreszeit gemalt, sich mit Vivaldis Leben beschäftigt und gelernt, was es bedeutet, in ein Konzert zu gehen – wie man sich anzieht, wie man zuhört, was einen erwartet.
Und was erwartet einen, wenn man Vivaldis Vier Jahreszeiten hört? Einfach Alles. Gewitter, Eis, Hitze, Wind. Das Zwitschern der Vögel im Frühling, die plätschernden Bäche, der bellende Hund neben dem schlafenden Hirten, die träge, drückende Hitze des Sommers, das tosende Gewitter und die wilden Blitze am dunklen Himmel. Ein fliehendes Reh im Herbst, Jagdhörner, das Knallen einer Flinte. Klappernden Zähne, Zittern, Frieren – und dann wohlige Wärme am Kaminfeuer, während der Regen ans Fenster prasselt. Und schließlich fröhlich auf dem Eis, – Vorsichtige Schritte, Gleiten, Ausrutschen, Fallen, schlittern – bis das Eis bricht.
Antonio Vivaldi, 1678 in Venedig geboren – ausgerechnet an einem Tag, als die Erde bebte – kam so früh auf die Welt, dass sein Überleben an ein Wunder grenzte. Er wurde Priester, aber seine wahre Berufung war die Musik. Als Geigenlehrer und Komponist am Ospedale della Pietà, einem Waisenhaus für Mädchen in Venedig, schrieb er in einem fort – ein ganzes Konzert pro Tag. Die Mädchen im Waisenhaus – Töchter armer, verstorbener oder unverheirateter Eltern, wurden dort zu Musikerinnen von Weltrang. Vivaldi komponierte für sie. Über 500 Konzerte entstanden so – darunter die Vier Jahreszeiten, die 1725 erschienen und bis heute zu den meistgespielten Werken der klassischen Musik zählen.
All das erlebten die Kinder nicht als Schulstunde, sondern als lebendiges Konzert. Fünf Musikerinnen und Musiker der KALA spielten Auszüge aus allen vier Jahreszeiten, und mittendrin stand Leonard Baumgartner . Eigens aus Wien angereist, selbst noch Schüler und mitten in den Maturavorbereiungen, aber als Solist bereits so gefragt, dass er schulfrei bekam um für andere Schülerinnen und Schüler zu spielen. In seinen Händen: eine Stradivari– einem Instrument, das selbst eine Geschichte trägt. Bis heute weiß die Wissenschaft nicht genau, warum ihr Klang so unvergleichlich ist. Aber die Kinder hörten es. Und sie hörten genau hin. Jedes Kind wollte sagen, was es fühlt, was es hört, was die Musik mit ihm macht. Es war aufmerksam. Es war berührend. Es war lebendig. Es war genau das, was Musik sein soll.
Wir danken von Herzen für die Einladung. Unser ganz besonderer Dank aber gilt den wunderbaren Kindern, die uns mit ihrer Neugierde inspiriert und berührt haben, sowie den engagierten Lehrerinnen und Lehrern und allen Entscheidungsträgern, die Musikvermittlung als selbstverständlichen Teil der Bildung betrachten. Ohne solche Menschen gibt es keine solchen Momente.
Kinder, die früh erleben, dass Musik nicht nur Hintergrundgeräusch ist, sondern Sprache – eine Sprache, die Geschichten erzählt, Bilder malt und Gefühle weckt, für die es manchmal keine Worte gibt – tragen das ein Leben lang mit sich. Ein Konzert wie dieses öffnet eine Tür. Was dahinter liegt, entscheiden die Kinder selbst. Aber die Tür muss jemand aufmachen. Dafür sind wir gerne da.